14-Tage-Plan: So retten Sie Ihr Unternehmen vor dem Konkurs
Der komplette 14-Tage-Notfallplan für Schweizer Unternehmen mit drohender Konkurseröffnung. Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Checklisten, Zeitplan und konkreten Handlungsempfehlungen für Geschäftsführer.
title: '14-Tage-Plan: So retten Sie Ihr Unternehmen vor dem Konkurs',
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credentials: 'Spezialist SAV Handels- und Gesellschaftsrecht, 15+ Jahre Erfahrung in Nachlassverfahren'
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publishedAt: '2026-03-23',
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'14-Tage-Plan Konkurs',
'Unternehmen retten',
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question: 'Warum genau 14 Tage?',
answer: '14 Tage ist die durchschnittliche Zeit zwischen Konkursbegehren und Verhandlungstermin in der Schweiz. In dieser Zeit haben Sie die beste Chance, mit Gläubigern zu verhandeln und das Konkursverfahren abzuwenden.'
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question: 'Was mache ich zuerst?',
answer: 'Verschaffen Sie sich in den ersten 48 Stunden einen vollständigen Überblick: Betreibungsregisterauszug holen, alle Gläubiger auflisten, Liquidität prüfen, verwertbare Vermögenswerte erfassen. Ohne diese Grundlage können Sie nicht verhandeln.'
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question: 'Kann ich das ohne Anwalt machen?',
answer: 'Bei einfachen Fällen (ein Gläubiger, unter CHF 50\'000, keine Lohnforderungen) können Sie selbst verhandeln. Bei mehreren Gläubigern, privilegierten Forderungen oder Überschuldung > CHF 100\'000 empfehlen wir dringend einen Anwalt.'
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question: 'Wie hoch sollte mein Vergleichsangebot sein?',
answer: 'Ihr Angebot sollte deutlich höher sein als die erwartete Konkursquote. Typische Vergleichsquoten liegen bei 30-60% der Forderung. Berechnen Sie zuerst die Konkursquote (meist 0-10%), dann bieten Sie mindestens das 5-10fache.'
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question: 'Was passiert, wenn die Verhandlung scheitert?',
answer: 'Wenn der Vergleich scheitert, bleibt noch die Nachlassstundung (Art. 293 ff. SchKG). Diese bietet Betreibungssperre und Zeit für umfassende Sanierung, erfordert aber Gerichtsverfahren und Anwalt.'
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14-Tage-Plan: So retten Sie Ihr Unternehmen vor dem Konkurs
Zusammenfassung: Sie haben ein Konkursbegehren erhalten. Der Verhandlungstermin ist in 14 Tagen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie in diesen 14 kritischen Tagen vorgehen müssen, um Ihr Unternehmen zu retten. Mit konkreten Checklisten, Zeitplan und bewährten Verhandlungsstrategien.---
Warum genau 14 Tage?
Die Realität in der Schweiz:Zwischen dem Konkursbegehren eines Gläubigers und der Konkursverhandlung beim Betreibungsamt vergehen durchschnittlich 8-14 Tage (abhängig vom Kanton).
Entscheidende Zeitfenster:| Phase | Zeitraum | Handlungsfähigkeit |
|-------|----------|-------------------|
| Vor Konkursbegehren | Unbegrenzt | ✅ Voll handlungsfähig (Betreibung, Zahlungsvereinbarungen) |
| Nach Konkursbegehren | 8-14 Tage | ⚠️ Eingeschränkt (Verhandlung mit antragstellendem Gläubiger) |
| Nach Konkurseröffnung | 4-8 Wochen | ⚠️ Stark eingeschränkt (Vergleich gem. Art. 172 Ziff. 3 SchKG) |
| Nach Konkurseröffnung | > 8 Wochen | ❌ Liquidation läuft (nur noch Nachlassstundung möglich) |
→ Die 14 Tage zwischen Begehren und Eröffnung sind Ihre beste Chance.---
Übersicht: Die 4 Phasen
``
┌─────────────────────────────────────────────────────────────────┐
│ TAG 1-2: ANALYSE │
│ ├─ Betreibungsregisterauszug │
│ ├─ Gläubigerliste erstellen │
│ ├─ Liquidität prüfen │
│ └─ Verwertbare Vermögenswerte erfassen │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ TAG 3-7: STRATEGIE │
│ ├─ Konkursquote berechnen │
│ ├─ Verhandlungsziele definieren │
│ ├─ Finanzierung organisieren │
│ └─ Vergleichsangebot vorbereiten │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ TAG 8-11: VERHANDLUNG │
│ ├─ Erstkontakt mit Gläubiger │
│ ├─ Vergleichsangebot unterbreiten │
│ ├─ Nachverhandeln (bei Gegenforderung) │
│ └─ Vergleich abschliessen │
├─────────────────────────────────────────────────────────────────┤
│ TAG 12-14: ABSCHLUSS │
│ ├─ Zahlung leisten │
│ ├─ Rückzug Konkursbegehren dokumentieren │
│ ├─ Betreibungsamt informieren │
│ └─ Andere Gläubiger regulieren (Ratenzahlungsvereinbarungen) │
└─────────────────────────────────────────────────────────────────┘
`
---
Phase 1: Analyse (Tag 1-2)
Ziel: Vollständiger Überblick über die finanzielle Lage
Tag 1 — Vormittag: Betreibungsregisterauszug
Wo: Betreibungsamt Ihres Firmensitzes
Was Sie brauchen:
- Handelsregisterauszug (nicht älter als 3 Monate)
- Kopie Ausweis (Person mit Einzelunterschrift)
- CHF 20-40 Gebühr (je nach Kanton)
Was Sie erhalten:
Vollständige Liste aller laufenden Betreibungen inkl.:
- Gläubigername und Adresse
- Forderungshöhe
- Status (Zahlungsbefehl, Pfändung, Konkursbegehren)
- Datum der Betreibung
Wichtig:
Prüfen Sie, ob mehrere Konkursbegehen vorliegen. In diesem Fall ist die Lage kritischer (siehe "STOP-Flags" unten).
---
Tag 1 — Nachmittag: Gläubigerliste erstellen
Erfassen Sie alle Gläubiger (auch solche ohne Betreibung):
Vorlage Gläubigerliste:
| Gläubiger | Forderung | Klasse | Status | Priorität | Bemerkungen |
|-----------|-----------|--------|--------|-----------|-------------|
| ABC Lieferant | CHF 64'000 | 3 | Konkursbegehren | 🔴 KRITISCH | Antragsteller |
| Vermieter XY | CHF 18'000 | 3 | Zahlungsbefehl | 🟠 HOCH | 3 Monatsmieten offen |
| Krankenversicherer | CHF 12'000 | 3 | Zahlungsbefehl | 🟠 HOCH | Prämienausstände |
| MWST-Amt | CHF 22'000 | 3 | Betreibung | 🟠 HOCH | Q3+Q4 2024 |
| Mitarbeiter (Lohn) | CHF 8'500 | 1 | Offen | 🔴 KRITISCH | Privilegiert! |
| AHV/IV/EO | CHF 6'200 | 1 | Betreibung | 🔴 KRITISCH | Privilegiert! |
Klassifikation nach SchKG Art. 219:
| Klasse | Art der Forderung | Behandlung |
|--------|-------------------|------------|
| 1 | Lohn (bis 6 Monate), AHV, IV | ⚠️ NIEMALS zurückstellen! Strafrechtliche Risiken |
| 2 | Vorsorgebeiträge (BVG) | Hohe Priorität |
| 3 | Alle übrigen (ungesicherte Gläubiger) | Verhandlungsmasse |
STOP-Flag:
Wenn Sie Klasse-1-Forderungen (Lohn, AHV) haben, konsultieren Sie sofort einen Anwalt. Nichtbezahlung kann strafrechtlich verfolgt werden (Art. 165 StGB).
---
Tag 2 — Vormittag: Liquidität prüfen
Erstellen Sie eine Liquiditätsbilanz:
`
AKTIVEN (verfügbare Mittel):
├─ Bankkonto 1: CHF 12'500
├─ Bankkonto 2: CHF 3'200
├─ Kasse: CHF 800
├─ Offene Debitoren (realistisch): CHF 18'000 (30 Tage Zahlungsziel)
└─ TOTAL LIQUIDE MITTEL: CHF 34'500
ZUSÄTZLICHE FINANZIERUNGSQUELLEN:
├─ Familiendarlehen (möglich): CHF 20'000
├─ VR-Bürgschaft: CHF 30'000
├─ Factoring Debitoren: CHF 14'000 (80% von CHF 18'000)
└─ POTENTIAL TOTAL: CHF 68'500
`
Realistische Verfügbarkeit:
- Sofort (Tag 1-3): CHF 34'500
- Kurzfristig (Tag 4-7): CHF 54'500 (inkl. Familiendarlehen)
- Mittelfristig (Tag 8-14): CHF 68'500 (inkl. Factoring)
---
Tag 2 — Nachmittag: Verwertbare Vermögenswerte
Inventar erstellen (für Konkursquoten-Berechnung):
| Vermögensgegenstand | Buchwert | Verwertungswert | Liquidierbarkeit |
|---------------------|----------|----------------|------------------|
| Geschäftsfahrzeug | CHF 25'000 | CHF 18'000 | 2-4 Wochen |
| Büromöbel | CHF 8'000 | CHF 1'200 | 1-2 Wochen |
| IT-Hardware | CHF 12'000 | CHF 3'000 | 1-2 Wochen |
| Lager (Inventar) | CHF 35'000 | CHF 14'000 | 4-8 Wochen |
| Maschinen | CHF 45'000 | CHF 22'000 | 4-12 Wochen |
| TOTAL | CHF 125'000 | CHF 58'200 | Variable |
Wichtig:
Der Verwertungswert (nicht Buchwert!) ist entscheidend für die Konkursquoten-Berechnung.
---
Phase 2: Strategie (Tag 3-7)
Ziel: Verhandlungsgrundlage schaffen und Finanzierung sichern
Tag 3: Konkursquote berechnen
Formel:
`
Dividende (%) = (Verwertbare Masse - Verfahrenskosten - Klasse 1 - Klasse 2)
/ Summe Klasse 3 × 100%
`
Praxisbeispiel:
`
AKTIVSEITE:
Verwertbare Masse (realistisch): CHF 58'200
PASSIVSEITE:
Verfahrenskosten (geschätzt): CHF 12'000
Klasse 1 (Lohn + AHV): CHF 14'700
Klasse 2 (BVG): CHF 2'800
─────────────────────────────────────────────────
Verfügbar für Klasse 3: CHF 28'700
Summe Klasse 3: CHF 116'000
─────────────────────────────────────────────────
DIVIDENDE KLASSE 3: 24.7%
`
Interpretation:
| Klasse | Forderung | Erwartete Dividende | Auszahlung |
|--------|-----------|---------------------|------------|
| 1 | CHF 14'700 | 100% (privilegiert) | CHF 14'700 |
| 2 | CHF 2'800 | 100% (privilegiert) | CHF 2'800 |
| 3 | CHF 116'000 | 24.7% | CHF 28'700 |
→ Ihre Verhandlungsmacht:
Der antragstellende Gläubiger (CHF 64'000, Klasse 3) würde im Konkurs ca. CHF 15'800 (24.7%) erhalten.
Wenn Sie CHF 32'000 (50%) anbieten, ist das für ihn doppelt so viel wie im Konkurs → starke Verhandlungsposition.
---
Tag 4-5: Finanzierung organisieren
Ziel: Sicherstellen, dass Sie die Vergleichssumme zahlen können
Finanzierungsquellen (priorisiert):
| Quelle | Verfügbarkeit | Höhe | Kosten | Risiko |
|--------|--------------|------|--------|--------|
| Eigene Liquidität | Sofort | CHF 34'500 | Keine | Keine |
| Familiendarlehen | 3-5 Tage | CHF 20'000 | Keine/gering | Familiär |
| VR-Bürgschaft | Sofort | CHF 30'000 | Persönliche Haftung | Hoch (VR haftet) |
| Factoring (Debitoren) | 5-7 Tage | CHF 14'000 | 2-5% Gebühr | Kundenbeziehung |
| Geschäftskreditkarte | Sofort | CHF 10'000 | 12-18% Zins | Teuer |
| Asset-Verkauf | 2-4 Wochen | CHF 18'000 | Wertverlust | Geschäftsbetrieb |
Strategische Überlegung:
- Best Case: Eigenliquidität + Familiendarlehen = CHF 54'500 (genug für 50%-Vergleich bei CHF 64'000)
- Worst Case: Nur Eigenliquidität = CHF 34'500 (genug für 54%-Vergleich, wenn nötig)
Verhandlungsspielraum definieren:
- Minimalangebot: 40% (CHF 25'600) → immer noch > Konkursquote
- Zielangebot: 50% (CHF 32'000) → klarer Vorteil für Gläubiger
- Maximalangebot: 55% (CHF 35'200) → wenn Verhandlung blockiert
---
Tag 6-7: Vergleichsangebot vorbereiten
Dokumentvorlage (siehe ausführliche Version im 14-Tage-Notfallplan PDF):
`
Betreff: Vergleichsangebot gem. Art. 172 Ziff. 3 SchKG
Konkursbegehren vom [DATUM], Forderung CHF 64'000
Sehr geehrte Damen und Herren
AUSGANGSLAGE
Bezüglich Ihres Konkursbegehrens vom [DATUM] über CHF 64'000
mit Verhandlungstermin am [DATUM] unterbreiten wir Ihnen
einen substantiellen Vergleichsvorschlag.
VERMÖGENSANALYSE
Verwertbare Masse: CHF 58'200
Klasse-1-Forderungen: CHF 14'700 (privilegiert)
Verfahrenskosten: CHF 12'000 (geschätzt)
Verfügbar Klasse 3: CHF 28'700
Erwartete Dividende: 24.7%
→ Ihre Auszahlung: CHF 15'800
VERGLEICHSANGEBOT
Sofortzahlung: CHF 32'000 (50% der Forderung)
Zahlungstermin: 3 Arbeitstage nach Rückzug Konkursbegehren
Sicherheit: VR-Bürgschaft [Name], CHF 32'000
Rechtsgrundlage: Art. 172 Ziff. 3 SchKG
VERGLEICH
Konkurs Vergleich
Auszahlung: CHF 15'800 CHF 32'000
Zeitdauer: 12-24 Monate 3 Tage
Kosten: Inkasso Keine
Risiko: Forderungsausfall Keine
VORTEIL: — +CHF 16'200 (+103%)
ANNAHMEFRIST
Bitte bestätigen Sie Ihre Zustimmung bis [DATUM], 17:00 Uhr.
Mit freundlichen Grüssen
[Firma]
`
Versandart:
- A-Post Einschreiben (Zustellnachweis)
- + E-Mail (schnelle Kommunikation)
- + Telefonische Voranmeldung (erhöht Reaktionswahrscheinlichkeit)
---
Phase 3: Verhandlung (Tag 8-11)
Ziel: Vergleich mit antragstellendem Gläubiger abschliessen
Tag 8: Erstkontakt
Telefonisches Vorabgespräch:
Skript:
"Guten Tag, [Name]. Hier spricht [Ihr Name] von der [Firma].
>
Sie haben am [DATUM] ein Konkursbegehren über CHF 64'000 gestellt. Ich möchte mit Ihnen über eine konstruktive Lösung sprechen, die für beide Seiten vorteilhafter ist als der Konkurs.
>
Wir haben Ihre Forderung anerkannt und können Ihnen innerhalb von 3 Tagen CHF 32'000 zahlen – das ist mehr als doppelt so viel, wie Sie im Konkursverfahren erhalten würden.
>
Ich habe Ihnen heute ein schriftliches Angebot per A-Post und E-Mail zugestellt. Können wir morgen telefonisch die Details besprechen?"
Ziel dieses Gesprächs:
- ✅ Gesprächsbereitschaft prüfen
- ✅ Verhandlungsatmosphäre schaffen (nicht konfrontativ)
- ✅ Schriftliches Angebot ankündigen
---
Tag 9-10: Verhandlungsphase
Typische Reaktionen und Gegenstrategien:
| Reaktion | Häufigkeit | Ihre Antwort |
|----------|-----------|--------------|
| "Wir akzeptieren" | 20% | ✅ Sofort schriftlich bestätigen, Zahlung vorbereiten |
| "Zu wenig, wir wollen 70%" | 40% | Gegenangebot 55% (innerhalb Ihres Spielraums) |
| "Wir müssen intern besprechen" | 30% | Frist setzen (48h), dann nachfassen |
| "Wir lehnen ab" | 10% | Nochmals Konkursquote vorrechnen, Plan B (Nachlassstundung) erwähnen |
Verhandlungstaktik (Jack Nasher-Prinzipien):
Anchoring: Ihr Erstangebot (50%) setzt den Anker
BATNA: Alternative des Gläubigers = 24.7% Konkursquote (schwach)
Zeitdruck: Legitime Urgenz (Verhandlungstermin in X Tagen)
Loss Framing: "Sie verlieren CHF 16'200, wenn Sie ablehnen"
Reziprozität: "Wir kommen Ihnen entgegen mit 55%, wenn Sie heute zusagen"
Beispiel-Gegenverhandlung:
Gläubiger: "50% ist zu wenig. Wir wollen mindestens 70% (CHF 44'800)."
>
Sie: "Ich verstehe Ihre Position. Lassen Sie mich nochmals die Zahlen zeigen:
- Im Konkurs erhalten Sie CHF 15'800 (24.7%)
- Unser Angebot: CHF 32'000 (50%) → +CHF 16'200 Mehrertrag
- Zeitdauer: 3 Tage statt 12-24 Monate
>
70% wären CHF 44'800. Das übersteigt unsere Liquidität. Wir können Ihnen CHF 35'000 (55%) anbieten, wenn Sie heute zusagen. Das ist immer noch das 2.2-fache der Konkursquote.
>
Wenn wir keine Einigung finden, bleibt mir nur die Nachlassstundung – dann erhalten Sie möglicherweise noch weniger und müssen 12-24 Monate warten."
Ziel: Kompromiss bei 55% (innerhalb Ihres Max-Angebots)
---
Tag 11: Vergleichsabschluss
Schriftliche Bestätigung:
`
Betreff: Bestätigung Vergleich gem. Art. 172 Ziff. 3 SchKG
Sehr geehrte Damen und Herren
Wir bestätigen hiermit den telefonisch vereinbarten Vergleich:
VEREINBARUNG:
- Forderung anerkannt: CHF 64'000
- Vergleichssumme: CHF 35'000 (54.7%)
- Zahlungstermin: [DATUM] (3 Arbeitstage)
- Zahlungsweise: Banküberweisung auf [IBAN]
- Sicherheit: VR-Bürgschaft [Name]
GEGENLEISTUNG:
- Rückzug Konkursbegehren beim Betreibungsamt [ORT]
- Schriftliche Bestätigung bis [DATUM]
RECHTSGRUNDLAGE:
Art. 172 Ziff. 3 SchKG — Einstellung Konkursverfahren bei Vergleich
Bitte bestätigen Sie diese Vereinbarung per E-Mail.
Mit freundlichen Grüssen
[Firma]
`
---
Phase 4: Abschluss (Tag 12-14)
Ziel: Zahlung leisten, Konkursbegehren zurückziehen, Verfahren einstellen
Tag 12: Zahlung leisten
Checkliste vor Zahlung:
- [ ] Schriftliche Vergleichsbestätigung vom Gläubiger erhalten
- [ ] Bankverbindung geprüft (IBAN-Validierung)
- [ ] Zahlungsreferenz vereinbart (damit Zahlung zugeordnet werden kann)
- [ ] Bei Ratenzahlung: Erste Rate bereit
Zahlungsnachweis:
Erstellen Sie einen Screenshot oder PDF der Banküberweisung mit:
- Datum
- Betrag
- IBAN Empfänger
- Referenz
- Bestätigung "Zahlung ausgeführt"
Wichtig: Zahlung NUR leisten, wenn Gläubiger schriftlich den Vergleich bestätigt hat.
---
Tag 13: Rückzug Konkursbegehren
Gläubiger informiert Betreibungsamt:
Der Gläubiger muss beim Betreibungsamt schriftlich erklären:
`
An: Betreibungsamt [ORT]
Betreff: Rückzug Konkursbegehren Nr. [NUMMER]
Das Konkursbegehren vom [DATUM] gegen [FIRMA]
über CHF 64'000 wird hiermit zurückgezogen.
Grund: Vergleich gem. Art. 172 Ziff. 3 SchKG
[Unterschrift Gläubiger]
``
Ihre Rolle:
- Fordern Sie vom Gläubiger eine Kopie dieser Rückzugserklärung
- Informieren Sie das Betreibungsamt proaktiv (inkl. Zahlungsnachweis + Vergleichsbestätigung)
---
Tag 14: Verfahren abgeschlossen
Bestätigung vom Betreibungsamt:Das Betreibungsamt bestätigt die Einstellung des Konkursverfahrens.
Nächste Schritte:- Krankenversicherer: Ratenzahlungsvereinbarung CHF 12'000 (12 × CHF 1'000)
- Vermieter: Ratenzahlung CHF 18'000 (6 × CHF 3'000)
- MWST: Stundungsgesuch beim ESTV
- Keine Aufschübe möglich (strafrechtliche Risiken)
- Wenn nicht möglich: Anwalt konsultieren
- Monatliche Fixkosten reduzieren
- Debitorenmanagement verschärfen (schnellere Zahlungsziele)
- Neue Umsatzquellen erschliessen
---
Praxisbeispiel: Die Gryps AG
Ausgangslage (Tag 0):- Konkursbegehren ABC AG: CHF 64'000
- Weitere Schulden: CHF 42'000 (Krankenversicherer, Vermieter, MWST)
- Liquide Mittel: CHF 35'000
- Verwertbare Masse: CHF 58'200
- Verhandlungstermin: 17.09.2025 (14 Tage Zeit)
| Tag | Aktion | Ergebnis |
|-----|--------|----------|
| 1 | Betreibungsregisterauszug + Gläubigerliste | 5 Betreibungen erfasst |
| 2 | Liquiditätsanalyse + Inventar | CHF 35'000 verfügbar, CHF 58'200 Vermögen |
| 3 | Konkursquote berechnen | 24.7% → CHF 15'800 für ABC AG |
| 4-5 | Familiendarlehen organisiert | +CHF 20'000 → Total CHF 55'000 |
| 6 | Vergleichsangebot 50% (CHF 32'000) erstellt | Schriftlich vorbereitet |
| 7 | A-Post Einschreiben versendet | Zustellung Tag 8 |
| 8 | Telefonischer Erstkontakt | ABC AG gesprächsbereit |
| 9 | Verhandlung: ABC AG will 70% | Zu hoch, Gegenangebot 55% |
| 10 | Kompromiss bei 55% (CHF 35'000) | ✅ Vergleich akzeptiert |
| 11 | Schriftliche Bestätigung erhalten | Vergleich rechtsgültig |
| 12 | Zahlung CHF 35'000 geleistet | Bankbeleg an ABC AG |
| 13 | ABC AG zieht Konkursbegehren zurück | Betreibungsamt informiert |
| 14 | Einstellung bestätigt | ✅ Konkurs abgewendet |
Kosten-Nutzen-Analyse:| Position | Vergleich | Konkurs |
|----------|-----------|---------|
| ABC AG | CHF 35'000 | CHF 15'800 |
| Andere Gläubiger | CHF 42'000 (Raten) | CHF 10'400 |
| Verfahrenskosten | CHF 0 | CHF 12'000 |
| Liquidation | CHF 0 | CHF 58'200 (Verlust) |
| Zeitdauer | 14 Tage | 12-24 Monate |
| Geschäftsbetrieb | ✅ Weiterführung | ❌ Liquidation |
Ergebnis:- Konkurs abgewendet
- CHF 35'000 bezahlt (statt CHF 64'000)
- Geschäft läuft weiter
- Andere Gläubiger in Raten beglichen (6-12 Monate)
---
STOP-Flags: Wann Sie sofort einen Anwalt brauchen
Konsultieren Sie SOFORT einen Anwalt, wenn:- ⚠️ Mehrere Konkursbegehen gleichzeitig (komplexe Gläubigerkonstellation)
- ⚠️ Klasse-1-Forderungen > CHF 10'000 (Lohn, AHV) → Strafrechtliche Risiken
- ⚠️ Überschuldung > CHF 100'000 → Nachlassstundung erforderlich
- ⚠️ OR Art. 725 verletzt (Überschuldung nicht gemeldet) → VR haftet persönlich
- ⚠️ Gläubigerschädigung (Vermögenstransfers kurz vor Konkurs) → Strafrecht Art. 164 StGB
- ⚠️ Komplexe Vermögensstruktur (Immobilien, Beteiligungen, internationale Assets)
- ✅ Ein Gläubiger, Klasse 3, unter CHF 50'000
- ✅ Keine Lohnforderungen oder AHV-Schulden
- ✅ Klare Vermögenslage (nur Liquidität, keine Immobilien)
- ✅ Verfügbare Liquidität > 40% der Hauptforderung
---
Alternative: Nachlassstundung (Plan B)
Was ist das?Gerichtlich überwachtes Sanierungsverfahren nach Art. 293 ff. SchKG.
Vorteile:- ✅ Betreibungssperre (alle Betreibungen gestoppt)
- ✅ Zeit für Sanierung (max. 24 Monate)
- ✅ Bindung für alle Gläubiger (nicht nur einen)
- ✅ Gerichtlicher Schutz
- ❌ Komplexes Verfahren (Anwaltspflicht)
- ❌ Öffentliche Bekanntmachung (SHAB)
- ❌ Kosten: CHF 10'000-25'000
- ❌ Reputationsschaden
- Mehrere Gläubiger betreiben gleichzeitig
- Überschuldung > CHF 100'000
- Sanierungsbedarf, aber grundsätzlich lebensfähiges Geschäftsmodell
---
Häufig gestellte Fragen
Warum genau 14 Tage?
14 Tage ist die durchschnittliche Zeit zwischen Konkursbegehren und Verhandlungstermin in der Schweiz. In dieser Zeit haben Sie die beste Chance, mit Gläubigern zu verhandeln und das Konkursverfahren abzuwenden.
Was mache ich zuerst?
Verschaffen Sie sich in den ersten 48 Stunden einen vollständigen Überblick: Betreibungsregisterauszug holen, alle Gläubiger auflisten, Liquidität prüfen, verwertbare Vermögenswerte erfassen. Ohne diese Grundlage können Sie nicht verhandeln.
Kann ich das ohne Anwalt machen?
Bei einfachen Fällen (ein Gläubiger, unter CHF 50'000, keine Lohnforderungen) können Sie selbst verhandeln. Bei mehreren Gläubigern, privilegierten Forderungen oder Überschuldung > CHF 100'000 empfehlen wir dringend einen Anwalt.
Wie hoch sollte mein Vergleichsangebot sein?
Ihr Angebot sollte deutlich höher sein als die erwartete Konkursquote. Typische Vergleichsquoten liegen bei 30-60% der Forderung. Berechnen Sie zuerst die Konkursquote (meist 0-10%), dann bieten Sie mindestens das 5-10fache.
Was passiert, wenn die Verhandlung scheitert?
Wenn der Vergleich scheitert, bleibt noch die Nachlassstundung (Art. 293 ff. SchKG). Diese bietet Betreibungssperre und Zeit für umfassende Sanierung, erfordert aber Gerichtsverfahren und Anwalt.
---
Checkliste: Vollständiger 14-Tage-Plan
Phase 1: Analyse (Tag 1-2)
- [ ] Betreibungsregisterauszug holen
- [ ] Gläubigerliste erstellen (inkl. Klassifikation)
- [ ] Liquidität prüfen (alle Konten, Kassen)
- [ ] Verwertbare Vermögenswerte erfassen (Inventar)
- [ ] STOP-Flags prüfen (Lohn, AHV, mehrere Konkurse)
Phase 2: Strategie (Tag 3-7)
- [ ] Konkursquote berechnen (Dividende Klasse 3)
- [ ] Finanzierung organisieren (Familiendarlehen, Factoring)
- [ ] Verhandlungsspielraum definieren (Min 40%, Ziel 50%, Max 55%)
- [ ] Vergleichsangebot erstellen (schriftlich)
- [ ] A-Post Einschreiben vorbereiten
Phase 3: Verhandlung (Tag 8-11)
- [ ] Telefonischer Erstkontakt (Gesprächsbereitschaft prüfen)
- [ ] Vergleichsangebot versenden (A-Post + E-Mail)
- [ ] Nachfassaktion (bei Nicht-Reaktion)
- [ ] Verhandlung (Gegenangebot, Kompromiss)
- [ ] Schriftliche Bestätigung erhalten
Phase 4: Abschluss (Tag 12-14)
- [ ] Zahlung leisten (Banküberweisung)
- [ ] Zahlungsnachweis erstellen (Screenshot/PDF)
- [ ] Gläubiger zieht Konkursbegehren zurück
- [ ] Betreibungsamt informieren
- [ ] Einstellungsbestätigung erhalten
Nach Abschluss
- [ ] Andere Gläubiger regulieren (Ratenzahlungsvereinbarungen)
- [ ] Klasse-1-Forderungen SOFORT begleichen
- [ ] Liquiditätsplanung 6 Monate
- [ ] Sanierungsmassnahmen einleiten
---
- Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG), SR 281.1
- Obligationenrecht (OR), SR 220, Art. 725 (Überschuldung)
- Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB), SR 311.0, Art. 163-165
- 14-Tage-Notfallplan als PDF (inkl. Vorlagen)
Häufig gestellte Fragen
- Warum genau 14 Tage?
- 14 Tage ist die durchschnittliche Zeit zwischen Konkursbegehren und Verhandlungstermin in der Schweiz. In dieser Zeit haben Sie die beste Chance, mit Gläubigern zu verhandeln und das Konkursverfahren abzuwenden.
- Was mache ich zuerst?
- Verschaffen Sie sich in den ersten 48 Stunden einen vollständigen Überblick: Betreibungsregisterauszug holen, alle Gläubiger auflisten, Liquidität prüfen, verwertbare Vermögenswerte erfassen. Ohne diese Grundlage können Sie nicht verhandeln.
- Kann ich das ohne Anwalt machen?
- Bei einfachen Fällen (ein Gläubiger, unter CHF 50'000, keine Lohnforderungen) können Sie selbst verhandeln. Bei mehreren Gläubigern, privilegierten Forderungen oder Überschuldung > CHF 100'000 empfehlen wir dringend einen Anwalt.
- Wie hoch sollte mein Vergleichsangebot sein?
- Ihr Angebot sollte deutlich höher sein als die erwartete Konkursquote. Typische Vergleichsquoten liegen bei 30-60% der Forderung. Berechnen Sie zuerst die Konkursquote (meist 0-10%), dann bieten Sie mindestens das 5-10fache.
- Was passiert, wenn die Verhandlung scheitert?
- Wenn der Vergleich scheitert, bleibt noch die Nachlassstundung (Art. 293 ff. SchKG). Diese bietet Betreibungssperre und Zeit für umfassende Sanierung, erfordert aber Gerichtsverfahren und Anwalt.