Sanierungskonzept erstellen: IDW S 6 Standard im Überblick
Wie erstellt man ein Sanierungskonzept nach IDW S 6? Aufbau, Anforderungen, Fortführungsprognose und typische Fehler bei der Sanierungsplanung.
Sanierungskonzept erstellen: IDW S 6 Standard im Überblick
Ein Sanierungskonzept nach IDW S 6 ist der Goldstandard für Unternehmenssanierungen in Deutschland. Es ist Voraussetzung für Bankengespräche, Eigenverwaltung und StaRUG-Verfahren.
Das Wichtigste in Kürze
- Standard: IDW S 6 (Institut der Wirtschaftsprüfer)
- Zweck: Nachweis der Sanierungsfähigkeit und -würdigkeit
- Adressaten: Banken, Insolvenzgericht, Gläubiger
- Aufbau: 2-stufig (Basiskonzept + Detailkonzept)
- Kosten: EUR 15'000-100'000+
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Was ist IDW S 6?
IDW S 6 ist ein Prüfungsstandard des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), der die Anforderungen an Sanierungskonzepte definiert. Ein IDW S 6-konformes Gutachten gilt als Qualitätssiegel.Wann wird ein Sanierungskonzept benötigt?
| Situation | Erforderlich? |
|-----------|---------------|
| Gespräch mit Hausbank (Kredit gefährdet) | ✅ Empfohlen |
| Eigenverwaltung/Schutzschirm | ✅ Erforderlich |
| StaRUG-Verfahren | ✅ Empfohlen |
| Sanierungskredit (Massekredit) | ✅ Erforderlich |
| Landesbürgschaft/Förderung | ✅ Erforderlich |
| Gesellschafter-Kapitalzufuhr | ⚠️ Empfohlen |
| Unternehmensverkauf in der Krise | ⚠️ Empfohlen |
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Die 6 Kernelemente nach IDW S 6
1. Beschreibung des Unternehmens
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UNTERNEHMENSANALYSE
1.1 Rechtliche Struktur
- Rechtsform, Gesellschafter
- Konzernzugehörigkeit
- Beteiligungen
1.2 Geschäftsmodell
- Produkte/Dienstleistungen
- Wertschöpfungskette
- Alleinstellungsmerkmale
1.3 Markt und Wettbewerb
- Marktgröße, Marktanteil
- Wettbewerber
- Trends und Entwicklungen
1.4 Organisation
- Aufbauorganisation
- Ablauforganisation
- Personal und Qualifikation
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2. Krisenursachenanalyse
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KRISENURSACHEN
2.1 Externe Ursachen
- Marktveränderungen
- Wettbewerbsdruck
- Regulatorische Änderungen
- Makroökonomische Faktoren
2.2 Interne Ursachen
- Managementfehler
- Strategische Fehlentscheidungen
- Operative Ineffizienzen
- Finanzierungsstruktur
2.3 Krisenstadium
├── Stakeholder-Krise
├── Strategiekrise
├── Ertragskrise
├── Liquiditätskrise
└── Insolvenzreife
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3. Leitbild des sanierten Unternehmens
Das Leitbild beschreibt das Unternehmen nach erfolgreicher Sanierung:
| Element | Fragen |
|---------|--------|
| Geschäftsmodell | Welche Produkte/Märkte in Zukunft? |
| Wettbewerbsposition | Welche Stärken, welche USP? |
| Finanzierung | Wie wird das Unternehmen finanziert? |
| Organisation | Wie ist die Struktur aufgebaut? |
| Stakeholder | Wer sind die wichtigsten Partner? |
4. Maßnahmenplan
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MASSNAHMEN-KATEGORIEN
LEISTUNGSWIRTSCHAFTLICHE MASSNAHMEN
├── Umsatzsteigerung (Vertrieb, Marketing, Preise)
├── Kostensenkung (Material, Personal, Overhead)
├── Prozessoptimierung (Effizienz, Qualität)
└── Portfolio-Bereinigung (Exit aus Verlustbereichen)
FINANZWIRTSCHAFTLICHE MASSNAHMEN
├── Kapitalerhöhung (Eigenkapital)
├── Umschuldung (Fremdkapital)
├── Forderungsverzicht (Gläubiger)
└── Liquiditätsmanagement (Working Capital)
STRUKTURELLE MASSNAHMEN
├── Reorganisation
├── Personalanpassung
├── Standortoptimierung
└── M&A (Verkauf/Kauf)
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5. Integrierte Unternehmensplanung
Die Finanzplanung ist das Herzstück des Sanierungskonzepts:
| Planungsebene | Inhalt | Zeitraum |
|---------------|--------|----------|
| GuV-Planung | Umsatz, Kosten, Ergebnis | 3-5 Jahre |
| Bilanzplanung | Vermögen, Schulden, Eigenkapital | 3-5 Jahre |
| Liquiditätsplanung | Einzahlungen, Auszahlungen | 12-24 Monate |
6. Sanierungsfähigkeit und -würdigkeit
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PRÜFUNG SANIERUNGSFÄHIGKEIT
Wettbewerbsfähigkeit (Leistungswirtschaft)
□ Marktfähiges Produkt/Dienstleistung?
□ Ausreichende Marge?
□ Wettbewerbsvorteile vorhanden?
Renditefähigkeit (Ertragswirtschaft)
□ Operativer Gewinn erreichbar?
□ EBITDA-Marge branchenüblich?
□ Return on Investment positiv?
Durchfinanzierung (Finanzwirtschaft)
□ Liquidität gesichert?
□ Bankfinanzierung möglich?
□ Eigenkapital ausreichend?
Umsetzbarkeit (Management)
□ Kompetentes Management?
□ Maßnahmen realistisch?
□ Zeitplan machbar?
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Aufbau eines IDW S 6-Gutachtens
Gliederung
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IDW S 6 SANIERUNGSKONZEPT
EXECUTIVE SUMMARY
- Ausgangslage
- Krisenursachen
- Maßnahmen
- Sanierungsfähigkeit (Ja/Nein)
BESCHREIBUNG DES UNTERNEHMENS
2.1 Rechtliche Verhältnisse
2.2 Geschäftsmodell
2.3 Organisation und Personal
2.4 Markt und Wettbewerb
ANALYSE DER KRISENSITUATION
3.1 Krisenursachen
3.2 Krisenstadium
3.3 Vermögens-, Finanz- und Ertragslage
LEITBILD DES SANIERTEN UNTERNEHMENS
4.1 Strategische Ausrichtung
4.2 Operative Ausrichtung
4.3 Finanzielle Ausrichtung
MASSNAHMENPLAN
5.1 Leistungswirtschaftliche Maßnahmen
5.2 Finanzwirtschaftliche Maßnahmen
5.3 Zeitplan und Meilensteine
INTEGRIERTE UNTERNEHMENSPLANUNG
6.1 Planungsannahmen
6.2 GuV-Planung
6.3 Bilanzplanung
6.4 Liquiditätsplanung
SANIERUNGSFÄHIGKEIT UND -WÜRDIGKEIT
7.1 Wettbewerbsfähigkeit
7.2 Renditefähigkeit
7.3 Durchfinanzierung
7.4 Gesamtbeurteilung
ANLAGEN
- Detailplanungen
- Sensitivitätsanalysen
- Unterstützende Dokumente
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Sanierungsfähigkeit vs. Sanierungswürdigkeit
Sanierungsfähigkeit (objektiv)
Frage: Kann das Unternehmen saniert werden?
| Kriterium | Prüfung |
|-----------|---------|
| Marktfähigkeit | Nachfrage nach Produkt/Dienstleistung? |
| Wettbewerbsfähigkeit | Kostenposition, Qualität, Innovation? |
| Finanzierbarkeit | Können Maßnahmen finanziert werden? |
| Management | Ist kompetentes Management vorhanden? |
Sanierungswürdigkeit (subjektiv)
Frage: Will der Stakeholder das Unternehmen sanieren?
| Stakeholder | Fragestellung |
|-------------|---------------|
| Bank | Ist die weitere Kreditierung sinnvoll? |
| Gesellschafter | Will ich weiteres Geld investieren? |
| Lieferanten | Will ich weiter liefern? |
| Mitarbeiter | Will ich hierbleiben? |
Wichtig: Sanierungsfähigkeit ist Voraussetzung für Sanierungswürdigkeit. Aber: Ein sanierungsfähiges Unternehmen kann trotzdem nicht saniert werden, wenn kein Stakeholder mitmachen will.
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Fortführungsprognose
Die Fortführungsprognose ist ein zentrales Element für die Überschuldungsprüfung (§ 19 InsO):
Zweistufige Prüfung
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STUFE 1: Rechnerische Überschuldung
├── Bilanz zu Liquidationswerten
├── Passiva > Aktiva?
└── Wenn Ja → Stufe 2
STUFE 2: Fortführungsprognose
├── Prognosezeitraum: 12-24 Monate
├── Integrierte Planung (GuV, Bilanz, Liquidität)
├── Ergebnis: Positiv oder Negativ?
└── Bei positiver Prognose → KEINE Überschuldung
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Anforderungen an die Prognose
| Anforderung | Inhalt |
|-------------|--------|
| Prognosezeitraum | Mindestens 12 Monate, idealerweise 24 |
| Detaillierung | Monatsweise Liquiditätsplanung |
| Dokumentation | Annahmen nachvollziehbar |
| Wahrscheinlichkeit | "Überwiegend wahrscheinlich" (>50%) |
| Plausibilität | Realistische Annahmen |
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Wer erstellt ein Sanierungskonzept?
Typische Ersteller
| Ersteller | Üblich bei | Kosten |
|-----------|------------|--------|
| Wirtschaftsprüfer | IDW S 6-Vollgutachten | EUR 50'000-200'000 |
| Unternehmensberater | Sanierungskonzept (nicht IDW S 6) | EUR 20'000-80'000 |
| Steuerberater | Fortführungsprognose | EUR 5'000-20'000 |
| Rechtsanwalt | Insolvenzrechtliche Stellungnahme | EUR 10'000-30'000 |
| Eigenerstellt | Einfache Dokumentation | EUR 0 (+ Zeit) |
Qualitätsmerkmale
| Niveau | Inhalt | Akzeptanz |
|--------|--------|-----------|
| IDW S 6 Vollgutachten | WP-Prüfung, vollständig | Höchste (Banken, Gericht) |
| IDW S 6-nahes Konzept | Struktur nach IDW S 6, aber vereinfacht | Hoch |
| Sanierungskonzept | Weniger formal, aber inhaltlich vollständig | Mittel |
| Fortführungsprognose | Nur Finanzplanung | Begrenzt |
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Typische Fehler vermeiden
Fehler 1: Unrealistische Planung
Problem: "Hockey Stick"-Planung mit unrealistischem Wachstum Lösung: Konservative Annahmen, Sensitivitätsanalysen, Vergleich mit VergangenheitFehler 2: Maßnahmen ohne Verantwortliche
Problem: Maßnahmen sind definiert, aber niemand ist verantwortlich Lösung: Klare Zuordnung: Wer macht was bis wann?Fehler 3: Fehlende Liquiditätsplanung
Problem: GuV-Planung vorhanden, aber keine Cash-Planung Lösung: Monatsweise integrierte LiquiditätsplanungFehler 4: Krisenursachen nicht adressiert
Problem: Maßnahmen bekämpfen Symptome, nicht Ursachen Lösung: Ehrliche Krisenanalyse, strukturelle MaßnahmenFehler 5: Keine Stakeholder-Einbindung
Problem: Konzept wird ohne Gläubiger/Bank erstellt, die dann nicht mitmachen Lösung: Frühzeitige Abstimmung mit Key-Stakeholdern---
Checkliste: Sanierungskonzept
Vor Beginn
- [ ] Ist ein Sanierungskonzept erforderlich?
- [ ] Wer erstellt es (intern/extern)?
- [ ] Welches Niveau (IDW S 6 vollständig oder vereinfacht)?
- [ ] Budget und Zeitplan definiert?
- [ ] Projektteam benannt?
Inhaltlich
- [ ] Unternehmensdarstellung vollständig?
- [ ] Krisenursachen analysiert?
- [ ] Leitbild des sanierten Unternehmens definiert?
- [ ] Maßnahmenplan mit Verantwortlichen?
- [ ] Integrierte Finanzplanung (GuV, Bilanz, Liquidität)?
- [ ] Sensitivitätsanalysen durchgeführt?
- [ ] Sanierungsfähigkeit begründet?
Qualität
- [ ] Annahmen dokumentiert und plausibel?
- [ ] Zahlen nachvollziehbar?
- [ ] Management-Summary aussagekräftig?
- [ ] Zeitplan realistisch?
- [ ] Finanzierung gesichert?
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FAQ: Sanierungskonzept
Die Kosten hängen von der Unternehmensgröße und Komplexität ab. Für ein mittelständisches Unternehmen liegen sie typischerweise bei EUR 50'000-100'000. Kleinere Unternehmen können mit EUR 20'000-40'000 rechnen. Komplexe Konzernstrukturen können EUR 200'000+ kosten.
Es gibt keine gesetzliche Pflicht, wer das Konzept erstellt. Für Bankgespräche und Insolvenzverfahren wird aber meist ein unabhängiger Dritter (WP, StB, Berater) erwartet. Intern erstellte Konzepte haben weniger Glaubwürdigkeit. Bei Eigenverwaltung/Schutzschirm ist ein externer Berater faktisch erforderlich.
Ein vollständiges IDW S 6-Gutachten dauert typischerweise 4-8 Wochen. Bei Zeitdruck (Insolvenzdrohung) kann es in 2-3 Wochen erstellt werden, aber die Qualität leidet. Eine einfache Fortführungsprognose ist in 1-2 Wochen möglich.
Die Fortführungsprognose ist ein Teil des Sanierungskonzepts und fokussiert auf die Frage: Kann das Unternehmen in den nächsten 12-24 Monaten zahlungsfähig bleiben? Das Sanierungskonzept ist umfassender und enthält auch Krisenanalyse, Leitbild und Maßnahmenplan.
Nein, das Sanierungskonzept ist vertraulich. Es wird nur den relevanten Stakeholdern (Bank, Gesellschafter, ggf. Gericht bei Insolvenz) vorgelegt. Eine Veröffentlichung ist nicht erforderlich und würde dem Unternehmen schaden.
Es gibt keine gesetzliche Pflicht zur IDW S 6-Konformität. Aber: Banken und Insolvenzgerichte erwarten oft IDW S 6-konforme Konzepte. Für kleinere Unternehmen kann ein "IDW S 6-nahes" Konzept ausreichen. Klären Sie vorab mit den Adressaten, welches Niveau erwartet wird.
Wenn das Konzept die Sanierungsfähigkeit verneint, hat dies erhebliche Konsequenzen: Die Geschäftsführung muss handeln (Insolvenzantrag prüfen), Banken können Kredite kündigen, Gläubiger können vollstrecken. Ein negatives Gutachten kann aber auch die Grundlage für einen geordneten Insolvenzantrag sein.
Technisch ja, aber es hat Nachteile: Mangelnde Objektivität (Eigeninteresse), mangelnde Fachkenntnis (IDW-Standard), geringe Glaubwürdigkeit bei Banken/Gläubigern. Für ernsthafte Sanierungen empfiehlt sich immer ein externer Berater. Intern kann eine Vorarbeit erfolgen (Datensammlung, erste Planung).
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Fazit
Ein Sanierungskonzept nach IDW S 6 ist mehr als ein formales Dokument – es ist die Roadmap für den Turnaround. Die Investition in ein professionelles Gutachten zahlt sich aus durch:
- Klarheit über die eigene Situation
- Glaubwürdigkeit bei Banken und Gläubigern
- Strukturierter Maßnahmenplan
- Basis für Eigenverwaltung/StaRUG
Das Sanierungskonzept ist die Basis für ein StaRUG-Verfahren.
Für Eigenverwaltung ist ein Sanierungskonzept faktisch erforderlich.
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Für die Erstellung eines Sanierungskonzepts empfehlen wir die Begleitung durch erfahrene Wirtschaftsprüfer oder Sanierungsberater.Ähnliche Artikel
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