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RatgeberSchweiz

Sanierung Unternehmen Schweiz — 5 Wege aus der Krise (mit/ohne Gericht)

Unternehmenssanierung in der Schweiz: Nachlassstundung, stille Sanierung, Asset Deal, Rangrücktritt und Kapitalerhöhung. Vergleich, Kosten und Erfolgsquoten.

André BeherzigAndré Beherzig
8 Min. Lesezeit
Sanierung Unternehmen Schweiz — 5 Wege aus der Krise (mit/ohne Gericht)

Sanierung Unternehmen Schweiz — 5 Wege aus der Krise (mit/ohne Gericht)

Ihr Unternehmen ist in Schieflage und Sie möchten den Konkurs vermeiden? Eine Unternehmenssanierung kann die Lösung sein — Fortführung statt Liquidation.

In diesem Guide erfahren Sie:

  • Was Unternehmenssanierung ist und wann sie notwendig wird
  • 5 Sanierungswege (gerichtlich + außergerichtlich)
  • Vergleich: Kosten, Dauer, Erfolgsquote
  • Praxisbeispiele mit Sanierungsplan
  • Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
WICHTIG: Bei Überschuldung müssen Sie als VR/Geschäftsführer unverzüglich den Richter benachrichtigen (Art. 725 OR) — sonst droht persönliche Haftung!

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Was ist Unternehmenssanierung?

Definition

Unternehmenssanierung ist die gezielte Umstrukturierung eines in Schieflage geratenen Unternehmens mit dem Ziel, die Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen und den Fortbestand zu sichern.

Ziele

| Ziel | Beschreibung |

|------|--------------|

| Liquidität wiederherstellen | Cashflow positiv, fällige Rechnungen bezahlbar |

| Schulden reduzieren | Vergleich mit Gläubigern (Dividende 30-70%) |

| Rentabilität verbessern | Kosten senken, Umsatz steigern |

| Eigenkapital stärken | Kapitalerhöhung, Rangrücktritt |

| Geschäftsmodell anpassen | Pivot, Restrukturierung |

Philosophie: "Der beste Konkurs ist der verhinderte Konkurs."

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Wann braucht ein Unternehmen eine Sanierung?

Warnsignale (Red Flags)

``

STUFE 1 — WARNSTUFE (Gelb):

├─ Umsatzrückgang >10% über 3 Monate

├─ Negativer Cashflow 2+ Monate

├─ Lieferantenkredite ausgereizt

├─ Keine Bankfinanzierung mehr

└─ Erste Mahnungen

STUFE 2 — KRITISCH (Orange):

├─ Zahlungsverzug >30 Tage

├─ Erste Betreibungen

├─ Löhne verzögert bezahlt

├─ Kontoüberziehung permanent

└─ Lieferanten liefern nur gegen Vorkasse

STUFE 3 — AKUT (Rot):

├─ Zahlungsunfähigkeit (fällige Rechnungen nicht bezahlbar)

├─ Überschuldung (Schulden > Vermögen)

├─ Lohnforderungen >1 Monat unbezahlt

├─ Konkursbegehren erhalten

└─ Sozialversicherungen unbezahlt

` Handlungspflicht ab Stufe 3: Richter benachrichtigen (Art. 725 OR) bei Überschuldung!

Überschuldungsbilanz prüfen

Formel:
`

Eigenkapital = Vermögen - Schulden

Wenn Eigenkapital < 0 → Überschuldung

` Beispiel: `

AKTIVEN (Vermögen):

Liquide Mittel: CHF 10'000

Debitorenforderungen: CHF 50'000

Inventar: CHF 30'000

Anlagen: CHF 80'000

TOTAL AKTIVEN: CHF 170'000

PASSIVEN (Schulden):

Bankkredite: CHF 100'000

Lieferanten: CHF 80'000

Steuern/AHV: CHF 30'000

TOTAL PASSIVEN: CHF 210'000

Eigenkapital: CHF 170'000 - CHF 210'000 = -CHF 40'000

→ ÜBERSCHULDUNG von CHF 40'000

` Folge: VR/Geschäftsführer muss Richter benachrichtigen (Art. 725 OR)

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5 Sanierungswege im Vergleich

Übersicht

| Weg | Typ | Öffentlich? | Kosten | Dauer | Erfolgsquote |

|-----|-----|-------------|--------|-------|--------------|

| 1. Stille Sanierung | Außergerichtlich | Nein | CHF 5'000-20'000 | 3-6 Monate | 40-50% |

| 2. Nachlassstundung | Gerichtlich | Ja (SHAB) | CHF 10'000-30'000 | 6-12 Monate | 60-70% |

| 3. Asset Deal | Übernahme | Nein | CHF 20'000-100'000 | 2-4 Monate | 80%+ |

| 4. Rangrücktritt | Bilanzmaßnahme | Nein | CHF 2'000-5'000 | 1 Monat | 90% |

| 5. Kapitalerhöhung | Finanzierung | Nein | CHF 5'000-15'000 | 2-3 Monate | 70% |

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1. Stille Sanierung (Außergerichtlich)

Was ist das?

Eine diskrete Restrukturierung ohne Gerichtsverfahren — Sie verhandeln direkt mit Gläubigern.

Ablauf

`

PHASE 1 — ANALYSE (Woche 1-2):

├─ Liquiditätsplanung (13 Wochen Cashflow)

├─ Gläubigerliste erstellen

├─ Sanierungsfähigkeit prüfen

└─ Sanierungskonzept erstellen

PHASE 2 — VERHANDLUNG (Woche 3-6):

├─ Gläubiger einzeln kontaktieren

├─ Vergleichsangebote unterbreiten

├─ Ratenzahlungsvereinbarungen

└─ Schuldenschnitt aushandeln (30-50%)

PHASE 3 — UMSETZUNG (Woche 7-12):

├─ Zahlungen nach Plan

├─ Geschäftsmodell anpassen

├─ Kosten senken, Umsatz steigern

└─ Monitoring (monatlich)

`

Vorteile

✅ Diskret — Kein SHAB-Eintrag, keine Öffentlichkeit

✅ Schnell — 3-6 Monate statt 12+ Monate

✅ Günstig — CHF 5'000-20'000 statt CHF 30'000+

✅ Flexibel — Individuell mit jedem Gläubiger verhandelbar

Nachteile

❌ Freiwillig — Gläubiger können ablehnen

❌ Keine Zwangswirkung — Ein Gläubiger kann Konkurs einleiten

❌ Keine Sanierungsprivilegien — Lohnforderungen müssen voll bezahlt werden

Kosten

| Position | Betrag (CHF) |

|----------|--------------|

| Sanierungsberater | 5'000-15'000 |

| Rechtsanwalt (optional) | 3'000-10'000 |

| Wirtschaftsprüfer (optional) | 2'000-5'000 |

| TOTAL | 10'000-30'000 |

Wann geeignet?

  • ✅ Wenige Gläubiger (<10)
  • ✅ Kooperative Gläubiger (Banken, Lieferanten)
  • ✅ Sanierungsfähiges Geschäftsmodell
  • ✅ Management hat Vertrauen der Stakeholder

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2. Nachlassstundung (Art. 293 ff. SchKG)

Was ist das?

Ein gerichtlich überwachtes Sanierungsverfahren mit Schutz vor Gläubigerzugriffen.

Ablauf

`

PHASE 1 — ANTRAG (Woche 1-2):

├─ Sanierungskonzept erstellen

├─ Liquiditätsprognose (6-12 Monate)

├─ Gläubigerliste + Vermögensverzeichnis

└─ Antrag beim Konkursrichter

PHASE 2 — PROVISORISCHE STUNDUNG (sofort):

├─ Gericht gewährt provisorische Stundung (sofort)

├─ Betreibungsstopp (alle laufenden Betreibungen sistiert)

├─ Sachwalter bestellt (überwacht Geschäftsführung)

└─ Publikation im SHAB

PHASE 3 — DEFINITIVE STUNDUNG (Monat 1-6):

├─ Gläubigerversammlung

├─ Nachlassvertrag ausarbeiten (Dividende + Zahlungsplan)

├─ Abstimmung (Mehrheit Kopf + Summe erforderlich)

└─ Gerichtliche Bestätigung

PHASE 4 — VOLLZUG (Monat 7-36):

├─ Zahlungen nach Nachlassvertrag

├─ Sachwalter überwacht

├─ Löschung aus Betreibungsregister nach Vollzug

└─ Unternehmen fortgeführt

`

Vorteile

✅ Zwangswirkung — Alle Gläubiger gebunden (auch ablehnende)

✅ Betreibungsstopp — Keine neuen Betreibungen/Pfändungen

✅ Schuldenschnitt — Dividende 0-100% (typisch 30-70%)

✅ Eigenverwaltung möglich — Geschäftsführung bleibt (mit Sachwalter)

Nachteile

❌ Öffentlich — SHAB-Eintrag, Reputationsschaden

❌ Teuer — CHF 10'000-30'000+ (Gericht, Sachwalter, Anwalt)

❌ Langwierig — 6-12 Monate bis Abschluss

❌ Kontrolle — Sachwalter überwacht jede Transaktion

Kosten

| Position | Betrag (CHF) |

|----------|--------------|

| Gerichtsgebühren | 1'000-3'000 |

| Sachwalter | 5'000-15'000 |

| Rechtsanwalt | 5'000-15'000 |

| Wirtschaftsprüfer | 3'000-10'000 |

| TOTAL | 14'000-43'000 |

Mindestnachlassdividende

Schweiz: Keine gesetzliche Mindestdividende (0% möglich) Deutschland (InsO): Mindestens 30% Quote bei Insolvenzplan Österreich (IO): Mindestens 20% (Eigenverwaltung) oder 30% Quote

Wann geeignet?

  • ✅ Viele Gläubiger (>10)
  • ✅ Einige Gläubiger blockieren stille Sanierung
  • ✅ Akute Betreibungen/Konkursbegehren
  • ✅ Sanierungsfähiges Geschäftsmodell

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3. Asset Deal (Betriebsübernahme)

Was ist das?

Ein Investor/Käufer übernimmt das gesunde Geschäft (Assets), die Altschulden bleiben in der alten Firma.

Struktur

`

ALT-FIRMA (Schuldner):

├─ Schulden: CHF 500'000

├─ Vermögen: CHF 300'000 (davon CHF 200'000 operatives Geschäft)

└─ Negatives EK: -CHF 200'000

NEU-FIRMA (Käufer/Investor):

├─ Kauft: Kundenstamm, Maschinen, Warenbestand (CHF 150'000)

├─ Übernimmt: Mitarbeiter (optional), Verträge (selektiv)

├─ Zahlt an: Alt-Firma CHF 150'000

└─ Keine Schuldübernahme

ALT-FIRMA nach Verkauf:

├─ Verkaufserlös: CHF 150'000

├─ Restmasse: CHF 150'000 (150k + 100k Restaktiven)

├─ Schulden: CHF 500'000

├─ Dividende: 30% (CHF 150'000 / CHF 500'000)

└─ Konkurs oder Nachlassvertrag mit 30% Quote

`

Vorteile

✅ Geschäft wird fortgeführt — Arbeitsplätze, Kundenstamm erhalten

✅ Clean Start — Keine Altlasten für Käufer

✅ Höhere Verwertung — Going Concern > Liquidation

✅ Schnell — 2-4 Monate bis Abschluss

Nachteile

❌ Käufer finden — Nicht immer möglich

❌ Bewertung komplex — Due Diligence erforderlich

❌ Anfechtungsrisiko — Verkauf muss marktgerecht sein (sonst Gläubigerschädigung)

Wann geeignet?

  • ✅ Geschäftsmodell gesund, aber Altschulden zu hoch
  • ✅ Investor/Käufer vorhanden
  • ✅ Mitarbeiter/Kunden sollen erhalten bleiben

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4. Rangrücktritt (Bilanzkosmetik)

Was ist das?

Gesellschafter/Aktionäre erklären, dass ihre Darlehensforderungen erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden.

Wirkung

`

VORHER (ohne Rangrücktritt):

Aktiven: CHF 200'000

Passiven: CHF 250'000 (davon CHF 60'000 Gesellschafterdarlehen)

→ Eigenkapital: -CHF 50'000 (ÜBERSCHULDUNG!)

NACHHER (mit Rangrücktritt):

Aktiven: CHF 200'000

Passiven: CHF 190'000 (Fremdkapital)

CHF 60'000 (Gesellschafterdarlehen, Rangrücktritt = EK-Ersatz)

→ Eigenkapital: CHF 10'000 (KEINE Überschuldung)

` Folge: Überschuldung ist beseitigt, keine Benachrichtigungspflicht nach Art. 725 OR.

Muster-Rangrücktrittserklärung

`

RANGRÜCKTRITTSERKLÄRUNG

Ich, [Name Gesellschafter], erkläre hiermit den Rangrücktritt

meiner Darlehensforderung von CHF [BETRAG] gegenüber [FIRMA].

Diese Forderung tritt im Rang hinter alle übrigen Gesellschaftsgläubiger

zurück und darf nur aus einem künftigen Bilanzgewinn oder aus Liquidations-

überschuss beglichen werden.

Diese Erklärung ist unwiderruflich bis zur vollständigen Tilgung aller

vorrangigen Gläubigerforderungen.

[ORT], [DATUM]

[Unterschrift Gesellschafter]

`

Wann geeignet?

  • ✅ Überschuldung nur wegen Gesellschafterdarlehen
  • ✅ Gesellschafter bereit zu verzichten (kurzfristig)
  • ✅ Geschäftsmodell gesund, nur Bilanzkosmetik nötig

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5. Kapitalerhöhung

Was ist das?

Neue Investoren/Gesellschafter bringen frisches Eigenkapital ein.

Varianten

| Variante | Beschreibung | Kontrolle |

|----------|--------------|-----------|

| Barkapitalerhöhung | Neue Aktien gegen Barzahlung | Verwässerung Alteigentümer |

| Sachkapitalerhöhung | Neue Aktien gegen Sacheinlage (z.B. Immobilie) | Verwässerung |

| Bedingte Kapitalerhöhung | Wandelanleihe, später in Aktien wandelbar | Zeitverzögert |

Voraussetzungen

  • ✅ Sanierungsfähiges Geschäftsmodell
  • ✅ Investor/Käufer gefunden
  • ✅ Gesellschafterversammlung stimmt zu (2/3 Mehrheit)
  • ✅ HR-Eintrag (Handelsregister)

Kosten

| Position | Betrag (CHF) |

|----------|--------------|

| Notar | 1'000-3'000 |

| Handelsregister | 600-1'200 |

| Anwalt (optional) | 2'000-5'000 |

| TOTAL | 3'600-9'200 |

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Sanierungsplan: Praxis-Beispiel

Fall: KMU Schreinerei mit CHF 250'000 Schulden

Ausgangslage:
  • Umsatz: CHF 600'000/Jahr (rückläufig -15%)
  • Schulden: CHF 250'000 (Lieferanten CHF 120'000, Bank CHF 80'000, Steuern CHF 50'000)
  • Liquidität: CHF 15'000 (kritisch)
  • Mitarbeiter: 5 (Löhne CHF 40'000/Monat)
Sanierungsstrategie: Kombination aus 1+4+5

Phase 1: Rangrücktritt (Monat 1)

`

Gesellschafter erklärt Rangrücktritt für Darlehen CHF 30'000

→ Eigenkapital verbessert sich um CHF 30'000

→ Überschuldung beseitigt

`

Phase 2: Kapitalerhöhung (Monat 2-3)

`

Neuer Investor bringt CHF 50'000 ein (25% Beteiligung)

→ Liquidität: CHF 15'000 + CHF 50'000 = CHF 65'000

→ Verhandlungsmasse für Gläubiger vorhanden

`

Phase 3: Stille Sanierung (Monat 3-6)

`

Vergleichsverhandlungen:

Lieferanten (CHF 120'000):

→ Angebot: 60% = CHF 72'000 (Ratenzahlung 12 Monate)

→ 10 von 12 Lieferanten akzeptieren

Bank (CHF 80'000):

→ Angebot: Umschuldung auf 5 Jahre, 3% Zins

→ Bank akzeptiert (Sicherheit: Maschinen)

Steuern (CHF 50'000):

→ Angebot: Ratenzahlung 24 Monate

→ Steueramt akzeptiert

TOTAL ERSPARNIS: CHF 48'000 (Lieferantenverzicht)

``

Ergebnis nach 12 Monaten

| Position | Vorher | Nachher |

|----------|--------|---------|

| Schulden | CHF 250'000 | CHF 152'000 |

| Liquidität | CHF 15'000 | CHF 35'000 |

| Umsatz | CHF 600'000 | CHF 550'000 (-8%) |

| Mitarbeiter | 5 | 5 (alle erhalten) |

| Status | Konkursrisiko | Saniert |

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Häufige Fehler bei Sanierung

❌ Fehler 1: Zu spät handeln

Problem: Erst bei Konkursbegehren Sanierung starten Folge: Zu wenig Zeit, Gläubiger misstrauen, Sanierung scheitert Lösung: Bei ersten Warnsignalen (Stufe 1-2) bereits beraten lassen

❌ Fehler 2: Keine ehrliche Analyse

Problem: Geschäftsmodell ist nicht sanierungsfähig, aber trotzdem sanieren Folge: Geld verbrannt, Konkurs nur verzögert Lösung: Wirtschaftsprüfer/Sanierungsberater objektiv prüfen lassen

❌ Fehler 3: Gläubiger nicht einbeziehen

Problem: Sanierungsplan wird ohne Gläubiger erstellt Folge: Gläubiger lehnen ab, Sanierung scheitert Lösung: Frühzeitig mit Hauptgläubigern (Bank, Lieferanten) reden

❌ Fehler 4: Lohnforderungen nicht privilegieren

Problem: Löhne werden nicht vorrangig bezahlt (Art. 219 SchKG) Folge: Strafbarkeit (Gläubigerschädigung), persönliche Haftung VR/GF Lösung: Lohnforderungen IMMER zuerst bezahlen

❌ Fehler 5: Keine Liquiditätsplanung

Problem: Keine 13-Wochen-Cashflow-Planung Folge: Sanierung läuft in nächste Liquiditätskrise Lösung: Wöchentliche Liquiditätsplanung (Rolling Forecast)

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Checkliste: Sanierung starten

  • [ ] Ist-Analyse: Liquidität, Überschuldung, Cashflow prüfen
  • [ ] Sanierungsfähigkeit: Geschäftsmodell objektiv bewerten lassen
  • [ ] Liquiditätsplan: 13-Wochen-Cashflow erstellen
  • [ ] Gläubigerliste: Alle Forderungen auflisten (Klassen)
  • [ ] Sanierungskonzept: Maßnahmen definieren (Kosten, Umsatz, Finanzierung)
  • [ ] Berater: Sanierungsberater/Anwalt engagieren (bei Bedarf)
  • [ ] Gläubiger kontaktieren: Banken, Hauptlieferanten informieren
  • [ ] Gesellschafter: Rangrücktritt, Kapitalerhöhung prüfen
  • [ ] Art. 725 OR: Bei Überschuldung Richter benachrichtigen (Pflicht!)
  • [ ] Monitoring: Monatliche Kontrolle (Cashflow, Umsatz, Kosten)

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Zusammenfassung

Unternehmenssanierung ist die Alternative zum Konkurs — Fortführung statt Liquidation. Die 5 wichtigsten Punkte:
  • Früh handeln — Bei ersten Warnsignalen (Stufe 1-2) beraten lassen
  • Stille Sanierung bevorzugen — Diskret, günstig, schnell (wenn Gläubiger kooperieren)
  • Nachlassstundung bei Blockade — Zwangswirkung auf alle Gläubiger
  • Rangrücktritt + Kapitalerhöhung — Eigenkapital stärken
  • Liquiditätsplanung — 13-Wochen-Rolling-Forecast (wöchentlich aktualisieren)
  • Legal & erfolgreich: 60-70% der Nachlassstundungen erfolgreich, 80%+ bei Asset Deals.

    ---

    Nächste Schritte

    Wenn Ihr Unternehmen in Schieflage ist:

  • Sofort: Ist-Analyse durchführen (Liquidität, Überschuldung)
  • Woche 1: Sanierungsberater kontaktieren (CHF 200-400/h)
  • Woche 2: Liquiditätsplan erstellen (13 Wochen)
  • Woche 3: Hauptgläubiger kontaktieren (Bank, Lieferanten)
  • Woche 4-8: Vergleichsverhandlungen führen
  • Kostenlose Unterstützung:

    • Schuldnerberatung: Caritas, Plusminus, Pro Senectute (kostenlos)
    • KMU-Portal: Bundesamt für Wirtschaft (kmu.admin.ch)

    ---

    ⚖️ RECHTLICHER HINWEIS: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei Überschuldung oder drohender Zahlungsunfähigkeit konsultieren Sie bitte sofort einen Sanierungsberater oder Rechtsanwalt. Die Benachrichtigungspflicht nach Art. 725 OR ist gesetzlich vorgeschrieben — Nichtbeachtung kann zur persönlichen Haftung führen.

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    Quellen:
    • Schweizerisches Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG): Art. 293 ff.
    • Schweizerisches Obligationenrecht (OR): Art. 725
    • Praxis der Schweizer Konkursgerichte
    • Erfolgsstatistiken Nachlassstundungen 2020-2025

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    Autor: André Beherzig, Insolvency Prevention Specialist Erstellt: 24.03.2026 | Geprüft: 24.03.2026

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    Häufig gestellte Fragen

    Was ist eine Unternehmenssanierung?
    Unternehmenssanierung ist die gezielte Umstrukturierung eines in Schieflage geratenen Unternehmens, um die Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen und Konkurs zu vermeiden. Ziel: Fortführung statt Liquidation.
    Wann braucht ein Unternehmen eine Sanierung?
    Sanierungsbedarf besteht bei: Zahlungsunfähigkeit (fällige Rechnungen nicht bezahlbar), Überschuldung (Schulden > Vermögen), negativem Cashflow über 3+ Monate, drohenden Betreibungen oder Konkursbegehren.
    Was kostet eine Unternehmenssanierung?
    Kosten variieren stark: Stille Sanierung CHF 5'000-20'000 (Berater), Nachlassstundung CHF 10'000-30'000 (Gericht + Sachwalter), umfassende Restrukturierung CHF 50'000-200'000+ (Anwälte, Berater, Gutachter).
    Was ist der Unterschied zwischen Sanierung und Konkurs?
    Sanierung: Unternehmen wird fortgeführt, Arbeitsplätze erhalten, Schulden reduziert. Konkurs: Unternehmen wird liquidiert, Vermögen verwertet, Gläubiger erhalten Quote. Sanierung ist immer besser für alle Beteiligten.
    Was ist eine stille Sanierung?
    Stille Sanierung ist eine außergerichtliche Restrukturierung ohne Nachlassstundung. Sie findet diskret statt (kein SHAB-Eintrag), ist günstiger und schneller. Voraussetzung: Gläubiger kooperieren freiwillig.
    Wie lange dauert eine Nachlassstundung?
    Die Nachlassstundung wird für maximal 6 Monate gewährt (Verlängerung auf 12 Monate möglich). In dieser Zeit verhandeln Sie mit Gläubigern einen Nachlassvertrag. Erfolgsquote: 60-70%.
    Kann ich während der Sanierung weiterarbeiten?
    Ja, bei Nachlassstundung mit Eigenverwaltung führen Sie das Geschäft weiter (unter Aufsicht eines Sachwalters). Bei stiller Sanierung arbeiten Sie normal weiter. Nur bei Konkurseröffnung übernimmt der Verwalter.
    Was ist ein Rangrücktritt?
    Rangrücktritt bedeutet: Gesellschafter/Aktionäre erklären, dass ihre Darlehensforderungen erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden. Dies verbessert die Eigenkapitalsituation und vermeidet Überschuldung.
    Brauche ich einen Sanierungsberater?
    Bei komplexen Fällen (>CHF 500'000 Schulden, >10 Gläubiger, juristischen Personen) ist ein Sanierungsberater dringend empfohlen. Kosten: CHF 200-400/h. Bei einfachen Fällen reicht Schuldnerberatung (kostenlos/günstig).
    Was passiert mit meinen Mitarbeitern?
    Bei erfolgreicher Sanierung bleiben Arbeitsplätze erhalten. Bei Nachlassstundung müssen Löhne privilegiert bezahlt werden (Art. 219 SchKG). Bei Betriebsübernahme (Asset Deal) können Arbeitsverträge übernommen werden.
    Kann ich als GmbH-Geschäftsführer haftbar gemacht werden?
    Ja, wenn Sie bei Überschuldung nicht unverzüglich den Richter benachrichtigen (Art. 725 OR). Auch bei Gläubigerschädigung oder Lohnprivileg-Verletzung droht persönliche Haftung.
    Was ist ein Nachlassvertrag?
    Ein Nachlassvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Schuldner und Gläubigern über Schuldenerlass (Dividende) und Zahlungsmodalitäten. Mindestdividende: 0% möglich. Zustimmung: Mehrheit der Gläubiger (Kopf + Summe).
    Sanierung vs. Neugründung — was ist besser?
    Sanierung bewahrt Geschäftsbeziehungen, Kundenstamm und Know-how. Neugründung (Phoenix) ist nur sinnvoll, wenn Altlasten zu groß sind oder Reputation unwiederbringlich geschädigt ist. Achtung: Gläubigerschädigung-Risiko!
    Sanierung Unternehmen Schweiz — 5 Wege aus der Krise (mit/ohne Gericht) | Konkurse Abwenden | Konkurse Abwenden