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RatgeberÖsterreich

Zahlungsplan bei Privatinsolvenz Österreich: Gläubiger überzeugen

So erstellen Sie einen erfolgreichen Zahlungsplan für das Schuldenregulierungsverfahren: Quote berechnen, Gläubiger überzeugen, Abstimmung gewinnen.

Dr. Michael Steinberger
11 Min. Lesezeit

Zahlungsplan: So überzeugen Sie Ihre Gläubiger

Der Zahlungsplan ist der schnellste Weg aus der Privatinsolvenz. Wenn die Gläubiger zustimmen, können Sie ohne langwieriges Abschöpfungsverfahren schuldenfrei werden.

Was ist ein Zahlungsplan?

Definition

Ein Zahlungsplan ist ein Vorschlag an alle Gläubiger:

  • Sie zahlen einen Teil der Schulden
  • Die Gläubiger verzichten auf den Rest
  • Die Abstimmung erfolgt in der Tagsatzung

Vorteile gegenüber Abschöpfung

| Aspekt | Zahlungsplan | Abschöpfung |

|--------|--------------|-------------|

| Dauer | Bis 5 Jahre (oft kürzer) | 3 Jahre fix |

| Flexibilität | Hoch | Gering |

| Gläubiger-Zustimmung | Erforderlich | Nicht erforderlich |

| Kontrolle | Bei Ihnen | Beim Treuhänder |

Die richtige Quote finden

Keine gesetzliche Mindestquote

Anders als bei Unternehmen gibt es bei Privatpersonen keine gesetzliche Mindestquote. Aber: Die Gläubiger müssen zustimmen!

Realistische Quotenberechnung

Schritt 1: Pfändbares Einkommen ermitteln

``

Monatliches Netto: EUR 1.800

  • Existenzminimum: EUR 1.290
= Pfändbar: EUR 510/Monat
` Schritt 2: Maximale Zahlung berechnen `

Pfändbar × Laufzeit = Maximale Quote

EUR 510 × 60 Monate = EUR 30.600

` Schritt 3: Quote berechnen `

Gesamtschulden: EUR 80.000

Maximale Zahlung: EUR 30.600

Quote: 30.600 / 80.000 = 38,25%

`

Empfohlene Quoten

| Schuldenstand | Empfohlene Quote | Begründung |

|---------------|------------------|------------|

| < EUR 30.000 | 40-60% | Gläubiger erwarten mehr |

| EUR 30.000-100.000 | 25-40% | Realistischer Bereich |

| > EUR 100.000 | 15-25% | Oft nicht mehr möglich |

Zahlungsplan erstellen

Pflichtinhalt

`

┌─────────────────────────────────────────────────────────────┐

│ ZAHLUNGSPLAN gem. §§ 193ff IO │

├─────────────────────────────────────────────────────────────┤

│ 1. SCHULDNER │

│ Name, Adresse, Geburtsdatum │

├─────────────────────────────────────────────────────────────┤

│ 2. VERMÖGENSVERZEICHNIS │

│ Aktiva (Bargeld, Konten, Wertgegenstände) │

│ Passiva (alle Schulden mit Gläubiger) │

├─────────────────────────────────────────────────────────────┤

│ 3. EINKOMMENSVERHÄLTNISSE │

│ Monatliches Nettoeinkommen │

│ Unterhaltspflichten │

│ Pfändbarer Betrag │

├─────────────────────────────────────────────────────────────┤

│ 4. ZAHLUNGSVORSCHLAG │

│ Angebotene Quote: [X]% │

│ Zahlungsweise: Einmal / Raten │

│ Laufzeit: [X] Jahre │

├─────────────────────────────────────────────────────────────┤

│ 5. BEGRÜNDUNG │

│ Warum ist die Quote angemessen? │

│ Vergleich mit Abschöpfungsverfahren │

└─────────────────────────────────────────────────────────────┘

`

Muster-Zahlungsplan

`

ZAHLUNGSPLAN

Schuldner: Max Mustermann, Musterstraße 1, 1010 Wien

Geb.: 01.01.1980

VERMÖGENSÜBERSICHT:

Bargeld: EUR 500

Girokonto: EUR 1.200

Sparbuch: EUR 0

Fahrzeug: EUR 3.000 (Zeitwert)

Hausrat: EUR 2.000 (Schätzwert)

─────────────────────────────

Summe Aktiva: EUR 6.700

SCHULDEN:

Bank A: EUR 35.000

Inkasso B: EUR 12.000

Finanzamt: EUR 8.000

Diverse Klein: EUR 5.000

─────────────────────────────

Summe Passiva: EUR 60.000

EINKOMMEN:

Netto monatlich: EUR 1.600

Unterhalt (1 Kind): EUR 290

Pfändbar: EUR 155

ANGEBOT:

Quote: 25% = EUR 15.000

Zahlung: 60 Raten × EUR 250

Beginn: 1 Monat nach Bestätigung

BEGRÜNDUNG:

Die angebotene Quote von 25% entspricht dem, was ich

innerhalb von 5 Jahren aufbringen kann. Ein

Abschöpfungsverfahren würde lediglich ca. EUR 5.580

(EUR 155 × 36 Monate) erbringen = 9,3%.

Der Zahlungsplan ist somit für die Gläubiger günstiger.

Datum, Unterschrift

`

Die Tagsatzung: Abstimmung gewinnen

Erforderliche Mehrheiten

Beide Mehrheiten müssen erreicht werden:
  • Kopfmehrheit: > 50% der anwesenden stimmberechtigten Gläubiger
  • Summenmehrheit: > 50% der vertretenen Forderungssumme
  • Beispiel Abstimmung

    `

    Anwesende Gläubiger:

    • Bank A: EUR 35.000 → NEIN
    • Inkasso B: EUR 12.000 → JA
    • Finanzamt: EUR 8.000 → JA
    • Kleine C: EUR 5.000 → JA

    Kopfmehrheit: 3 JA, 1 NEIN = 75% ✓

    Summenmehrheit: 25.000 JA, 35.000 NEIN = 41,7% ✗

    → Zahlungsplan ABGELEHNT (Summenmehrheit fehlt)

    ``

    Gläubiger überzeugen

    Argumente für Ihren Zahlungsplan:
  • Höher als Abschöpfung
  • > "Im Abschöpfungsverfahren würden Sie nur EUR X erhalten, mein Plan bietet EUR Y."

  • Schneller
  • > "Sie erhalten Ihr Geld in 3 Jahren statt in 5 Jahren."

  • Sicherer
  • > "Mein Arbeitgeber/meine Familie unterstützt den Plan. Die Finanzierung ist gesichert."

  • Besser als Konkurs
  • > "Bei Liquidation meines Vermögens bekommen Sie fast nichts."

    Vor der Tagsatzung

    Vorbereitung:
    • Alle Gläubiger identifizieren
    • Große Gläubiger persönlich kontaktieren
    • Kompromissbereitschaft ausloten
    • Verbündete suchen

    Sonderzahlungen und Finanzierung

    Woher kommt das Geld?

    Mögliche Quellen:
    • Eigenes pfändbares Einkommen
    • Unterstützung durch Familie
    • Einmalzahlung (Erbe, Schenkung)
    • Verkauf von Vermögenswerten
    • Nebenjob

    Familienunterstützung

    Häufig: Eltern, Geschwister oder Partner finanzieren höhere Quote Wichtig:
    • Schriftliche Zusage beilegen
    • Glaubwürdigkeit erhöht Zustimmung
    • Keine Scheinzusagen!

    Nach der Annahme

    Gerichtliche Bestätigung

    Nach positiver Abstimmung bestätigt das Gericht den Zahlungsplan, wenn:

    • Mehrheiten erreicht wurden
    • Keine Formfehler vorliegen
    • Plan nicht offensichtlich unerfüllbar

    Erfüllung des Plans

    Ihre Pflichten:
    • Pünktliche Ratenzahlung
    • Änderungen melden
    • Bei Problemen: Sofort reagieren
    Bei Zahlungsproblemen:
    • Mit Gläubigern verhandeln
    • Stundung beantragen
    • Ggf. Planänderung

    Nach vollständiger Erfüllung

    • Verfahren wird aufgehoben
    • Restschuld erlischt
    • Schuldenfreiheit erreicht!

    Wenn der Zahlungsplan scheitert

    Gründe für Ablehnung

    • Quote zu niedrig
    • Gläubiger nicht überzeugt
    • Großer Gläubiger blockiert

    Ihre Optionen

  • Neuer Versuch mit höherer Quote
  • Abschöpfungsverfahren (3 Jahre)
  • Außergerichtliche Einigung parallel versuchen
  • Häufige Fragen (FAQ)

    Wie hoch muss die Quote mindestens sein?

    Es gibt keine gesetzliche Mindestquote. Aber: Gläubiger müssen zustimmen. Praktisch sollte die Quote höher sein als das, was im Abschöpfungsverfahren zu erwarten ist.

    Kann ich die Quote nachträglich ändern?

    Ja, mit Zustimmung aller Gläubiger. Bei wesentlicher Verschlechterung Ihrer Situation sollten Sie das Gespräch suchen.

    Was passiert, wenn ich eine Rate nicht zahlen kann?

    Informieren Sie sofort das Gericht und die Gläubiger. Einmalige Verzögerungen führen nicht automatisch zum Scheitern. Aber: Wiederholtes Versäumnis kann zur Wiederaufnahme des Verfahrens führen.

    Kann ein einzelner Gläubiger alles blockieren?

    Ja, wenn er die Summenmehrheit hat. Deshalb ist die Verhandlung mit Großgläubigern besonders wichtig.

    Fazit

    Der Zahlungsplan ist die beste Option, wenn:

    • Sie eine realistische Quote anbieten können
    • Die Quote höher ist als im Abschöpfungsverfahren
    • Sie die Gläubiger überzeugen können
    Tipps für den Erfolg:
  • Quote realistisch kalkulieren
  • Gläubiger frühzeitig einbinden
  • Finanzierung absichern
  • Professionelle Unterstützung (Schuldnerberatung)
  • ---

    Tipp: Die staatliche Schuldnerberatung hilft kostenlos bei der Erstellung des Zahlungsplans.

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