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14-Tage-Notfallplan Konkurs — Schritt-für-Schritt Checkliste

Sie haben ein Konkursbegehren erhalten? Dieser Notfallplan zeigt Ihnen genau, was Sie in den nächsten 14 Tagen tun müssen. Mit Checklisten, Musterdokumenten und konkreten Fristen.

Schnellübersicht

Zeitrahmen
8-14 Tage bis Verhandlung
Erfolgsquote
60-70% bei strukturiertem Vorgehen
Benötigte Dokumente
Vermögensstatus, Forderungsliste

Ein Konkursbegehren nach Art. 190 SchKGsetzt eine Frist von typischerweise 8-14 Tagen bis zur Konkursverhandlung. In dieser Zeit können Sie den Konkurs noch abwenden durch: (1) Vollständige Zahlung der Forderung, (2) Vergleich mit dem Gläubiger, (3) Nachlassstundung oder (4) Rechtsvorschlag mit Begründung. Dieser 14-Tage-Notfallplan führt Sie Schritt für Schritt durch den Prozess.

Wie ist der 14-Tage-Zeitplan strukturiert?

1-2

Phase 1: Analyse & Bestandsaufnahme

Konkursbegehren prüfen, Vermögensstatus erstellen, privilegierte Forderungen identifizieren

4-8 Stunden Arbeitsaufwand
3-4

Phase 2: Strategie & Szenario-Planung

Entscheidung treffen: Zahlung, Vergleich oder Nachlassstundung? Best/Real/Worst-Case erstellen

3-6 Stunden Arbeitsaufwand
5-7

Phase 3: Angebot vorbereiten

Vergleichsangebot formulieren, Konkurs-Alternative berechnen, 3 Varianten vorbereiten

6-10 Stunden Arbeitsaufwand
8-10

Phase 4: Verhandlung

Gläubiger kontaktieren (schriftlich + telefonisch), Angebot präsentieren, Verhandeln

Mehrfacher Kontakt erforderlich
11-12

Phase 5: Einigung dokumentieren

Schriftliche Bestätigung, Vergleichsvertrag, eventuell notarielle Beglaubigung

Rechtssichere Dokumentation
13-14

Phase 6: Umsetzung & Absicherung

Gericht informieren, erste Zahlung leisten, Dokumentation archivieren

Konkurs abgewendet

Was muss ich in Phase 1 (Tag 1-2) genau tun?

Schritt 1: Konkursbegehren prüfen

  • ✓ Forderungsbetrag korrekt?
  • ✓ Gläubiger identifizieren (Name, Adresse, Vertreter)
  • ✓ Verhandlungstermin notieren (8-14 Tage)
  • ✓ Rechtsgrundlage prüfen (besteht die Forderung wirklich?)

Schritt 2: Vermögensstatus aufstellen

  • ✓ Liquide Mittel (Bank, Kasse): CHF _______
  • ✓ Forderungen (Debitoren, fällig in 30 Tagen): CHF _______
  • ✓ Inventar/Anlagen (Verkehrswert): CHF _______
  • Verwertbare Masse TOTAL: CHF _______

Schritt 3: Forderungen nach Klassen sortieren

Klasse 1 (Lohn, Sozialversicherung):CHF _______
Klasse 2 (Vorsorge):CHF _______
Klasse 3 (Übrige, inkl. Antragsteller):CHF _______
TOTAL Forderungen:CHF _______

Schritt 4: Handlungsspielraum berechnen

Verwertbare Masse:CHF _______
− Klasse 1 (MUSS bezahlt werden):CHF _______
= Verfügbar für Vergleich:CHF _______

Bei offenen Lohnforderungen (Klasse 1) besteht strafrechtliches Risiko für Verwaltungsräte nach Art. 163/164 StGB.

Quelle: Schweizerisches Strafgesetzbuch, 2024

Wie entscheide ich mich für die richtige Strategie (Tag 3-4)?

Strategieentscheidung basierend auf Vermögenslage
KriteriumVollzahlungVergleichEmpfohlenNachlassstundungKonkurs
VoraussetzungLiquidität vorhandenTeilzahlung möglichSanierungsfähigZahlungsunfähig
ZeitrahmenSofort5-14 Tage4-24 Monate12-24 Monate
KostenCHF 0CHF 500-2'000CHF 5'000-15'000CHF 5'000-20'000
Erfolgsquote100%70-85%60-70%0%
Gläubiger-Quote100%40-70%25-50%0-5%

Entscheidungsbaum

1. Können Sie vollständig zahlen?
→ JA: Zahlen Sie sofort (stoppt Konkurs nach Art. 172 Ziff. 3 SchKG)
→ NEIN: Weiter zu Frage 2
2. Können Sie 40-70% der Forderung zahlen?
→ JA: Vergleichsverhandlung (Phase 3-5 dieses Plans)
→ NEIN: Weiter zu Frage 3
3. Ist Ihr Unternehmen sanierungsfähig?
→ JA: Nachlassstundung beantragen (siehe Nachlassstundung-Guide)
→ NEIN: Konkurs wahrscheinlich – Schadensbegrenzung

Wie erstelle ich ein überzeugendes Vergleichsangebot (Tag 5-10)?

Ein überzeugendes Vergleichsangebot muss dem Gläubiger zeigen, dass er im Konkurs weniger erhält als beim Vergleich. Berechnen Sie dazu die erwartete Konkursquote (typisch 0-5% für ungesicherte Gläubiger) und bieten Sie 40-70% der Forderung an. Setzen Sie einen klaren Zahlungsplan und bieten Sie Sicherheiten (Bankgarantie, VR-Bürgschaft). Nutzen Sie die Musterbrief-Vorlagen für professionelle Formulierung.

Pflichtbestandteile eines Vergleichsangebots

  • Forderungsbetrag: CHF _______ (exakt wie im Konkursbegehren)
  • Angebot: CHF _______ (40-70% der Forderung)
  • Zahlungsplan: Sofortzahlung CHF _______ + Raten _______ × CHF _______
  • Sicherheiten: Bankgarantie / VR-Bürgschaft / Sicherungsübereignung
  • Konkurs-Alternative: Quote 0-5% = CHF _______ (vs. Vergleich CHF _______)
  • Frist: Annahme bis _______ (5-7 Arbeitstage)
  • Konsequenz: Rückzug Konkursbegehren nach Zahlung

Was muss ich nach erfolgreicher Verhandlung dokumentieren (Tag 11-14)?

Checkliste Vertragsabschluss

  • Schriftliche Bestätigung des Gläubigers (E-Mail genügt, besser: Brief)
  • Vergleichsvertrag mit allen Konditionen (Betrag, Zahlungsplan, Sicherheiten)
  • Rückzugserklärung Konkursbegehren (schriftlich vom Gläubiger)
  • Erste Zahlung geleistet (mit Zahlungsnachweis)
  • Gericht informiert über Vergleich (Art. 172 Ziff. 3 SchKG)
  • Archivierung: Alle Dokumente aufbewahren (10 Jahre Aufbewahrungspflicht)

Nach Art. 172 Ziff. 3 SchKG kann der Konkurs bis zur Eröffnung durch Vergleich gestoppt werden. Dokumentieren Sie die Einigung sofort.

Quelle: Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, 2024

Was tue ich, wenn die Verhandlung scheitert?

Notfall-Optionen bei gescheiterter Verhandlung

Option 1: Nachlassstundung (24-48 Stunden vor Verhandlung)
Antrag nach Art. 293 SchKG einreichen → stoppt Konkursverfahren automatisch für 4 Monate. Benötigt: Sanierungskonzept, provisorischer Sachwalter, Gerichtsgebühr CHF 1\'000-2\'000.
Option 2: Vollständige Zahlung (bis zur Verhandlung)
Liquidität beschaffen durch: Verkauf von Vermögen, Darlehen von Gesellschaftern, Kredit (Vorsicht: keine Überschuldung verschleiern!).
Option 3: Schadensbegrenzung bei unvermeidbarem Konkurs
• Lohnforderungen sofort bezahlen (Art. 219 SchKG)
• Keine Gläubigerbevorzugung (Art. 286-288 SchKG)
• VR-Protokoll: Überschuldung festgestellt, Gericht informiert (Art. 725 OR)
• Dokumentation für Haftungsschutz

Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Kostenübersicht 14-Tage-Notfallplan

Strategie: Vergleichsverhandlung (DIY)CHF 0 - 500
Strategie: Vergleichsverhandlung (mit Anwalt)CHF 1\'000 - 3\'000
Strategie: NachlassstundungCHF 5\'000 - 15\'000
Vergleichsbetrag: 40-70% der Forderung(Forderungsabhängig)
Ersparnis vs. Konkurs:CHF 10\'000 - 50\'000+

Die Investition in Verhandlung lohnt sich fast immer: Konkurskosten (CHF 5\'000-20\'000) reduzieren die Quote für Gläubiger zusätzlich. Ein Vergleich bei 50% ist günstiger als Konkurs bei 0-5% Quote.

Häufig gestellte Fragen zum 14-Tage-Notfallplan

Ja, wenn Sie sofort handeln. Die meisten Konkurseröffnungen erfolgen 8-14 Tage nach Konkursbegehren. In dieser Zeit können Sie noch: (1) Vollständig zahlen, (2) Vergleich aushandeln, (3) Nachlassstundung beantragen oder (4) Rechtsvorschlag begründen. Erfolgschance: 60-70% bei strukturiertem Vorgehen.
Vermögensstatus aufstellen und Handlungsspielraum berechnen. Sie müssen wissen: (1) Wie viel liquide Mittel vorhanden sind, (2) Welche Forderungen privilegiert sind (Lohn!), (3) Welche Quote Sie Gläubigern realistisch anbieten können. Ohne diese Zahlen können Sie nicht verhandeln.
Nicht zwingend bei einfachen Fällen (Einzelforderung <CHF 50'000, keine Lohnforderungen, klare Vermögenslage). Bei komplexen Fällen (>CHF 100'000, privilegierte Forderungen, mehrere Gläubiger, strafrechtliche Risiken) sollten Sie innerhalb von 48 Stunden Rechtsberatung einholen.
Ja, das Unternehmen läuft normal weiter, solange kein Konkurs eröffnet ist. Sie können Verträge abschließen, Rechnungen bezahlen, Gehälter zahlen. Aber: Vermeiden Sie Gläubigerbevorzugung (Art. 286-288 SchKG) und achten Sie auf Lohnforderungen (Art. 219 SchKG). Bei drohender Überschuldung muss der VR sofort handeln (Art. 725 OR).
Wenn Sie untätig bleiben, wird der Konkurs höchstwahrscheinlich eröffnet. Folge: (1) Vermögensverwaltung geht an Konkursverwalter, (2) Geschäftstätigkeit wird eingestellt, (3) Gläubiger erhalten nur 0-5% Quote, (4) VR-Mitglieder riskieren persönliche Haftung bei Pflichtverletzung (Art. 725 OR).
Kosten variieren je nach gewählter Strategie: (1) Vollständige Zahlung: CHF 0 (nur Forderungsbetrag), (2) Vergleichsverhandlung: CHF 500-2'000 (Anwalt optional), (3) Nachlassstundung: CHF 5'000-15'000 (Anwalts- und Gerichtskosten), (4) Konkursverfahren (wenn gescheitert): CHF 5'000-20'000. Investition in Verhandlung lohnt sich fast immer.
Ja, aber die Komplexität steigt. Bei mehreren Gläubigern müssen Sie: (1) Alle Forderungen nach Klassen sortieren (Art. 219 SchKG), (2) Gleichbehandlung sicherstellen (gleiche Quote für gleiche Klasse), (3) Eventuell Nachlassstundung statt Einzelvergleiche wählen. Ab 5+ Gläubigern empfehlen wir professionelle Beratung.
Dann haben Sie 3 Optionen: (1) Vollständige Zahlung (stoppt Konkurs sofort), (2) Nachlassstundung beantragen (erzwingt Verhandlung mit allen Gläubigern), (3) Konkurs akzeptieren und Schadensbegrenzung betreiben. Wichtig: Dokumentieren Sie alle Verhandlungsversuche (E-Mail, Einschreiben) – das schützt vor Haftungsvorwürfen.

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Quellen & Referenzen

MProfi AG Insolvenzberatung

Insolvenzberater

Schuldbetreibungsrecht (SchKG)Nachlassverfahren (Art. 293ff)Jack Nasher Verhandlungsprinzipien

Spezialisiert auf Konkursabwehr und Gläubigerverhandlungen im DACH-Raum. Über 15 Jahre Erfahrung mit 200+ erfolgreich abgewendeten Konkursen.

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