MWST-Konkursbetreibung 2025 — Neue Regelung ab 1. Januar
Ab 1.1.2025 können MWST-Schulden zur Konkursbetreibung führen. Art. 43 Abs. 1 MWSTG wurde aufgehoben. Die ESTV kann jetzt Konkursbegehren stellen. Was sich ändert und wie Sie sich schützen.
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Wichtige Änderung ab 1. Januar 2025
Mit der Aufhebung von Art. 43 Abs. 1 MWSTG per 1. Januar 2025 können Mehrwertsteuerschulden neu wie andere Forderungen mittels Konkursbetreibung eingefordert werden. Bisher war die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) auf Pfändung beschränkt – Konkurs war nicht möglich. Diese Änderung erhöht den Druck auf Unternehmen mit MWST-Rückständen erheblich, da nun die Konkursgefahr droht statt "nur" Vermögenspfändung.
Was hat sich konkret ab 1. Januar 2025 geändert?
| Kriterium | Bis 31.12.2024 | Ab 1.1.2025 (NEU)Empfohlen |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | Art. 43 Abs. 1 MWSTG (Pfändung) | Art. 43 Abs. 1 AUFGEHOBEN → SchKG |
| Betreibungsart | Nur Pfändung (Art. 89ff SchKG) | Pfändung ODER Konkurs (Art. 159ff SchKG) |
| Konkursgefahr | Keine (ESTV konnte keinen Konkurs beantragen) | Ja (ESTV kann Konkursbegehren stellen) |
| Zeitlicher Druck | Mittel (Pfändung dauert Monate) | Hoch (Konkurs in 8-14 Tagen möglich) |
| Verhandlungsposition ESTV | Stark (kein Zeitdruck) | Schwächer (Konkursquote nur 0-5%) |
Die ESTV kann seit 1.1.2025 Konkursbegehren stellen, ist aber in der Praxis verhandlungsbereit. Im Konkurs erhält sie als Klasse-3-Gläubiger nur 0-5% Quote.
Quelle: Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer (MWSTG), 2025
Wie werden MWST-Schulden im Konkurs behandelt?
Kollokationsklassen nach Art. 219 SchKG
Klasse 1 (Privilegiert)
• Lohnforderungen (bis 6 Monate vor Konkurseröffnung)
• Sozialversicherungsbeiträge
Quote im Konkurs: Oft 80-100%
Klasse 2
• Beiträge an Vorsorgeeinrichtungen
Quote im Konkurs: 20-50%
Klasse 3 (MWST-Schulden HIER!)
• MWST-Forderungen (NICHT privilegiert)
• Lieferantenschulden
• Bankschulden (ungesichert)
• Alle übrigen Forderungen
Quote im Konkurs: Typisch 0-5%
MWST-Schulden sind nach Art. 219 SchKGKlasse 3 und damit NICHT privilegiert. Im Konkursfall werden zuerst Klasse 1 (Lohn, Sozialversicherung) und Klasse 2 (Vorsorge) gedeckt. Für Klasse 3 bleibt typischerweise nur 0-5% Quote übrig. Dies macht die ESTV zu einem verhandlungsbereiten Gläubiger – ein Vergleich bei 40-60% ist für beide Seiten besser als Konkurs.
Welche strategischen Auswirkungen hat die Änderung?
Für Unternehmen: Erhöhter Handlungsdruck
- ✓ MWST-Schulden nicht mehr "aussitzen" – Konkursgefahr droht
- ✓ Schneller handeln bei Zahlungsschwierigkeiten (Ratenzahlung beantragen)
- ✓ MWST-Schulden in Sanierungsplanung einbeziehen
- ✓ Bei drohendem Konkurs: ESTV proaktiv verhandeln (Quote 40-60%)
Für ESTV: Verhandlungsbereitschaft steigt
- ✓ Konkursdrohung ist Verhandlungshebel, aber wenig attraktiv (0-5% Quote)
- ✓ ESTV akzeptiert Vergleiche bei 40-60% Quote + Sicherheiten
- ✓ Ratenzahlungen möglich (typisch 12-24 Monate)
- ✓ Nachlassverträge werden unterstützt (wenn realistische Quote)
Für Konkursverwalter: ESTV als Klasse-3-Gläubiger
- ✓ ESTV nimmt wie andere Gläubiger an Gläubigerversammlung teil
- ✓ Keine Sonderrechte (früher: separate Pfändung möglich)
- ✓ MWST-Forderungen in Kollokationstabelle Klasse 3
- ✓ Quote wie alle ungesicherten Gläubiger (0-5% typisch)
Was sollten Unternehmen jetzt tun?
1MWST-Status prüfen
- • Offene MWST-Schulden identifizieren (aktuelle + überfällige)
- • Zahlungsfristen im Blick behalten (60 Tage nach Quartalsende)
- • Bei Zahlungsschwierigkeiten: NICHT abwarten, sondern proaktiv handeln
2Ratenzahlung beantragen (VOR Betreibung)
- • ESTV bietet Ratenzahlungen an (typisch 12-24 Monate)
- • Antrag VOR Betreibung erhöht Erfolgsquote
- • Realistische Raten vorschlagen (ESTV prüft Zahlungsfähigkeit)
- • Sicherheiten anbieten (Bankgarantie, VR-Bürgschaft) erhöht Akzeptanz
3Bei Konkursbegehren: Vergleich aushandeln
- • ESTV ist verhandlungsbereit (weiss um 0-5% Konkursquote)
- • Angebot: 40-60% der Schuld (sofort oder in Raten)
- • Konkurs-Alternative aufzeigen (Quote-Berechnung)
- • Musterbrief nutzen: Vergleichsangebot-Vorlage
4Nachlassstundung als Option
- • MWST-Schulden können in Nachlassvertrag einbezogen werden
- • ESTV als Klasse-3-Gläubiger muss zustimmen (Mehrheitsentscheid)
- • Mindestquote 25-30% (ESTV akzeptiert realistische Quoten)
- • Vorteil: Alle Gläubiger gebunden, 4-24 Monate Zeit
- • Mehr Infos: Nachlassstundung Guide
Rechenbeispiel: Vergleich vs. Konkurs bei MWST-Schulden
Szenario: Unternehmen mit CHF 80'000 MWST-Schulden
Szenario 1: Konkurs
ESTV erhält nur CHF 4'000 von CHF 80'000 Forderung (5% Quote)
Szenario 2: Vergleich
ESTV erhält 10× mehr als im Konkurs (CHF 40'000 vs. CHF 4'000)
Fazit
Für die ESTV ist ein Vergleich bei 50% Quote (CHF 40'000) deutlich attraktiver als Konkurs (CHF 4'000). Für das Unternehmen bedeutet ein Vergleich: Konkurs abgewendet, Geschäftstätigkeit weitergeführt, CHF 40'000 Schuldenreduktion. Win-Win-Situation.
Häufig gestellte Fragen zu MWST-Konkursbetreibung
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Quellen & Referenzen
- Art. 43 MWSTGPrimärquelleMehrwertsteuergesetz (Abs. 1 aufgehoben per 1.1.2025)
- Art. 219 SchKGPrimärquelleKollokationsklassen (MWST = Klasse 3)
- Art. 159ff SchKGPrimärquelleKonkursverfahren
- ESTV Merkblatt KonkursbetreibungSekundärquelleOffizielle ESTV-Richtlinien zur Konkursbetreibung ab 2025
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